Im ersten Teil meiner Schlauchmagen OP-Geschichte berichtete ich über das Gespräch mit der Krankenkasse. Dies ist ja schon einmal ganz positiv verlaufen und ich entschied mich sodann, einen Termin im Adipositaszentrum München-Bogenhausen zu vereinbaren. Die Dame an der telefonischen Anmeldung war sehr nett und bestätigte mir einen Termin am 21.1.11. Das war noch weit hin, aber die Zeit über die Feiertage hinein ins neue Jahr verging schneller als gedacht :-)

Die Vorbereitung des Gesprächs im Adipositaszentrum

Als Hausaufgabe bekam ich einen Fragebogen/Ananmnesebogen und ein Ernährungsprotokoll zugeschickt. Letzteres sollte ich 7 Tage führen und genauso wie den Fragebogen zum Termin mitbringen. Hausaufgaben sind eigentlich nicht so mein Ding, aber indiesem besonderen Fall habe ich einmal eine Ausnahme gemacht :-)

Das Gespräch mit der Ernährungsberaterin wegen der Magenverkleinerung

Letzte Woche Freitag war es dann soweit. Gemeinsam mit Kathrin fuhr ich in das Adipositaszentrum München-Bogenhausen. Der Empfang war sehr freundlich und offen. Leider musste ich auf meinen Termin mit der Ernährungsberaterin 1,5 Stunden warten. Das kennt man ja beim Arzt. Sehr nett fand ich dann aber, dass Frau Wood sich gleich zu Beginn des überaus positiven Gesprächs für die Wartezeit entschuldigte. Es hätten sich einige Termine verschoben. Was dann kam, entschädigte mich für die Wartezeit. Frau Wood nahm sich Zeit mit mir das Ernährungsprotokoll durchzugehen und sie stellte viele Fragen zu meiner Vorgeschichte. Was habe ich schon alles versucht um abzunehmen usw. Ich fand ihre Anregungen äußerst realitätsnah. So riet sie mir vor einer möglichen Magenverkleinerung, bzw. Schlauchmagen – OP mein Trinkverhalten (ich trinke wegen Metabolic Balance 4 Liter am Tag) etwas an die Gegebenheiten nach der Magenverkleinerung anzupassen. Dann wären nur noch kleinere Mengen und höchstens eine Zufuhr von 2 Litern am Tag möglich. Außerdem wäre es unabhängig von der OP-Methode (z.B. Schlauchmagen oder Magenbypass) nicht mehr möglich gleichzeitig zu Essen und zu Trinken.

Sie erklärte mir außerdem, dass man mittlerweile davon ausgeht, dass hochgradig Übergewichtige (BMI 50+) es nahezu nicht  schaffen können ohne eine Magenverkleinerung oder einem Magenbypass  zum Normalgewicht zu kommen. Dies habe zum einen mit der großen Menge an Gewicht zu tun, die abgenommen werden müsse und zum anderen mit der körpereigenen Gegenwehr. Diese versuche nämlich- unabhängig von dem Ausgangsgewicht- immer wieder auf sein Höchstgewicht zu kommen, was ein langfristiges Abnehmen ohne eine Magenverkleinerung o.ä. fast unmöglich macht.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich das so noch nie gesehen. Das würde für mich bedeuten, dass ich vielleicht nicht einfach “zu schwach”, “zu dumm” oder zu”undiszipliniert” bin, sondern einfach nur überfordert von der Aufgabe ca. 100 kg abnehmen zu müssen. Das Gespräch endete nach mehr als 30 Minuten, was auch die Verzögerung innerhalb der Termine sicherlich nicht verbesserte. Ich hatte das Gefühl: Hier wird auf mich in meinem Tempo eingegangen. Keine Fließbandarbeit. Pluspunkt.

Das Gespräch mit dem Adipositas- Chirurg wegen des Schlauchmagens

Nach einer weiteren Wartezeit von ca. 30 Minuten, die ich im netten Gespräch mit zwei Leidensgenossen gut überbrücken konnte (“Was hast du vor?” “Schlauchmagen und du?”), holte mich Dr. Kramer, der Oberarzt des Adipositaszentrums ab. Er hatte einen netten Assistenzarzt dabei, der meinen Fragebogen fleißig ins System eintippte, während ich mit Dr. Kramer plauderte. Mir als alte Ruhrpottlerin fiel gleich sein angenehmes “Ruhrpott- Deutsch” auf. Wir tauschten uns über unsere Herkunft aus und das Eis war gebrochen.

Er erzählte mir, dass er zunächst in Tübingen praktiziert hat und selbst die Idee hatte ein Adipositaszentrum zu gründen. Im letzten Jahr jedoch bekam er das Angebot von Dr. Hüttl mit in das Zentrum in München einzusteigen. Gesagt, getan. Ich hatte während des ganzen Gesprächs nicht das Gefühl, das ich oft bei Ärzten habe. Nach dem Motto” Mensch nimm ab, das kann doch nicht so schwer sein!” Er sieht die Adipositas als Krankheit an, die durch eine Magenverkleinerung bzw. einen Schlauchmagen geheilt werden muss. Nicht als perönliche Schwäche eines Betroffenen. Ich muss sagen, obwohl ich mich als recht selbstbewußten Menschen einschätzen würde, hat mir der Gedanke daran, dass ich an einer Krankheit und nicht unter Unvermögen leide, ein positiveres Gefühl mir gegenüber. Und das nicht, weil ich mich jetzt auf einer vermeintlichen Krankheit ausruhen kann und sagen kann “ich kann ja nix dafür”, sondern weil ich mich immer als “zu blöd es zu schaffen” angesehen habe.

Er lobte meine diversen Bemühungen abzunehmen. Vorallem mein Durchhaltevermögen bezüglich des Jahresprogramms Optifast52 beeindruckte ihn und auch, dass ich 4 Jahre nach Optifast noch immer 15 kg unter meinem Höchstgewicht bin. Das zeige die Eigeninitiative, die auch nach einer möglichen Magenverkleinerung notwendig wäre. Wir gingen gemeinsam meinen Fragebogen durch und er stellte Fragen zu meinem Leben, ob mein Umfeld mich unterstützen würde usw. Er meinte auch, dass ich zu jedem Termin immer jemanden mitbringen kann und es ihm sehr wichtig sei, gut informierte PatientInnen zu haben. Ich solle gern an einer Infoveranstaltung mit anderen Patienten, die eventuell schon einen Schlauchmagen haben teilnehmen usw.

Ich stellte ihm verschiedene Fragen zu Kosten und Risiken und er erklärte mir alles lang und breit. Ich hatte nie den Eindruck, dass hier mit Informationen hinterm Berg gehalten wurde oder irgendwelche Fragen unangenehm sein. Er erklärte mir, dass das Chirurgenteam auf Patienten in meiner Gewichtsklasse spezialisiert wären und dass allein dies schon Komplikationen bei der Magenverkleinerung, die explizit auf mein Übergewicht zurückzuführen wären, einkalkuliert werden könnten. Dr. Kramer betonte immer wieder, dass ein solcher
Schritt eine lebenslange Nachsorge nach sich zöge. Und vor allem eine lebenslange Mitarbeit des Patienten. Mit dem Schlauchmagen allein wäre es nicht getan.

Zum Ende des Gesprächs fragte er mich, ob ich mich schon entschieden hätte oder ob ich noch länger darüber nachdenken müsse. Er müsse einen Brief an meinen Hausarzt, bzw. eine Empfehlung für die Krankenkasse verfassen und da würde er gern meinen “Entscheidungsstand” mitteilen. Auf mein Zögern hin meinte er, ich solle einfach noch mal in Ruhe darüber nachdenken und mich einfach melden. Ich könnte mich auch noch weiter umschauen, schließlich gäbe es viele Adipositaszentren. Er empfiehlt die Schlauchmagen -OP, die auch ich mir im Vorfeld ausgesucht habe, aber ich müsse mir ganz sicher sein, sonst mache es keinen Sinn. Ich bekam eine grüne Mappe mit allerlei Informationsblättern zum Thema Selbshilfegruppen, Veranstaltungshinweise, Risiken der Operation, ein Heft des Adipositas Verbandes Deutschland und eine dicke Broschüre für den Hausarzt. Ich solle mir letztere gern durchlesen, aber mein Hausarzt würde sich wohl auch darüber freuen. Ihn könnte ich bei Interesse auch zum Gespräch oder Infotag mitbringen. Ich habe die Broschüre gelesen und werde sie dem Hausarzt auf jeden Fall geben, denn dort stehen viele Dinge, die für die Vor- und Nachsorge bei einem Schlauchmagen bzw. einer Magenverklienerung wichtig sind. Das Gespräch mit dem Arzt dauerte ca. 45 Minuten. Auch hier hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl abgefertigt zu werden. Pluspunkt Nr. 2.

So, das ist ein sehr langer Artikel und daher werde ich meine Checklisten für die Beantragung einer möglichen Magenverkleinerung und die eine Kurzzusammenfassung meines Besuches in den nächsten Artikel verpacken. Ich bin- wie immer- für Fragen und Anregungen offen!

Archiv der Artikel bezüglich Schlauchmagen:

Teil I Schlauchmagen-OP: Anruf bei der Krankenkasse

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